Castlefest 18th edition – 2023 in Lisse

Dienstag 01. August 2023: Steak und Kartoffelsalat

Schnell ist Elfia Haarzuilens vergessen und ich schaue vorwärts: Das Castlefest steht vor der Tür. Es ist die 18. Edition, und mein zweites überhaupt.

Heute ist der 1. August, und leider regnet es ziemlich stark. Das Einräumen des Autos gestaltet sich deswegen als unangenehm. Nachdem alles verstaut ist gehts los. 5 Minuten später stehe ich aber schon wieder zu Hause, weil ich meinen Piratenhut vergessen habe. Nicht so schlimm denke ich. Ok, zweiter Versuch und ich fahre wieder los. Erst geht es nach Bern zu meiner Schwester um den Nationalfeiertag zu feiern.
Der Abend verläuft ruhig und fast ohne Regen, die Kinder haben Freude am Feuerwerk, es gibt Fleisch und Wurst vom Grill, alles easy.
Um Mitternacht ist dann auch mal fertig mit den Feierlichkeiten, weil der 2. August wieder ein normaler Arbeitstag ist. Ausser für mich natürlich, denn ich fahre von Bern direkt weiter Richtung Holland. Kurz nach 2 Uhr meldet sich die Müdigkeit und ich fahre eine Raststation vor dem Europapark an zum Zähneputzen und schlafen. 

Mittwoch 02.08.2023: Anreise

Die Nacht im Auto war kurz und so gemütlich wie es sein kann ohne richtige Liege. Deshalb stehe ich um 6 Uhr auf und begebe mich wieder auf die Autobahn. Nach über 2 Stunden fahrt gibt es dann Frühstück an einem Imbiss vor Frankfurt a.M.
Ein bisschen weiter ist mein nächster Stop in Heiligenroth, wo ich im Internet neue Schlösser für die Dachbox bestellt hatte und hier abholen kann. Das war gutes Timing mit der Bestellung und Abholung; ausserdem habe ich so ca. 30-40€ gespart. Die neuen Schlösser sind schnell montiert und ich kann beruhigt weiterfahren, ohne Angst zu haben, dass die Dachbox während der Fahrt unkontrolliert aufgeht. So geht es dann auch spektakulärlos weiter mit ein paar Tankpausen, für das Auto und für mich.

Am späten Nachmittag erreiche ich den Camping. Für dieses Mal habe ich ein “Blokhus” reserviert. Leider ist es keine Blockhütte, sondern mehr ein halbwegs isolierter Geräteschuppen. Danach gehts nach Hillegom um Essen zu kaufen. Ein kleiner Kühlschrank habe ich diesmal auch dabei.
Wie immer bin ich begeistert von den verschiedenen Salaten von “Albert Heijn” oder “Dirk van den Broek”

Donnerstag 03.08.2023: Castlefanatics

Der Tag fängt sehr schlecht an, denn ich merke, dass ich zwar den Piratenhut mitgenommen habe, aber mein Koffer mit allen Kleidern immer noch zu Hause am Eingang steht. So ein verdammter Käse. Wie konnte ich bloss für den ollen Hut zurückkehren und den Koffer übersehen…. mehrmals bin an dem vorbeigelaufen und auch fast drübergestolpert. Schuld war natürlich das Wetter bei der Abreise!
Aufregen bringt mich aber nicht weiter. Zum Glück funktioniert mein Internet. So frage ich meinen Castelfest-Freund wo die Holländer günstig Kleider kaufen. Die von ihm genannten Läden sind alle in Haarlem, das knapp 15 Minuten entfernt ist. In den Läden frage ich mich ein wenig durch, aber die Menschen wollen mein Holländisch nicht verstehen, sehr frustrierend.

So herrscht dann auch Schadenfreude als ein Kassierer nicht alle meine Artikel scannt. Wieder 20€ gespart. Ich hätte ja was gesagt, ganz sicher, aber der Knilch wollte mich einfach nicht verstehen; da wusste ich halt nicht weiter und habe den Rabatt stillschweigend akzeptiert.

Verspätet komme ich am Festival an. Auf dem Parkplatz wechsle ich in die neue Unterwäsche. Der Eintritt ist erstaunlicherweise zügig. Die erste Band “Rob’s GUDA Show” habe ich zwar verpasst. Dafür startet die erste Runde der Standbesichtigung. Wirklich viel anders als im Jahr zuvor ist es nicht. Es regnet leicht, aber davon lässt sich niemand die Stimmung verderben. Viele Leute erkenne ich vom Jahr zuvor, obwohl ich keinen kenne. Später spielen dann noch “Datura” und “Cesair”, wo sich immer mehr Menschen vor der Bühne versammeln. Der Donnerstag, exklusif für die Castlefanatics, ist ja schon länger ausverkauft; das sieht man.

Nach “Cesair” breche ich aber ab und fahre auf den Camping zurück. Für die nächste Band “Among the Saints” fehlt mir die Motivation, und für die spätere “Corvus Corax” die Energie. Es war schon so ein langer Tag.

Freitag 04.08.2023: Tag 2

Am Freitag ist der Einlass so ineffizient wie auch schon. Es gibt eine lange Schlange, bis ich merke, dass die für Menschen ohne Festivalbändchen ist; diejenigen mit einem Bändchen gehen links vorbei, werden aber von den anstehenden teilweise verbal angegangen. Trotzdem schliesse ich mich der schnellen Schlange an. Einmal drin, treffe ich meinen Freund und wir laufen das ganze Gelände ab. Die Änderung zum Vorjahr ist das Meadow Field. Die Handwerker und Schauberufler zeigen ihr können auf dem Feld; sei es mit Kochen, Stoff- und Holzverarbeitung, Bogenschiessen, Ritterduelle, und einiges mehr.

Mein Hauptinteresse dieses Jahr sind die Konzerte, denn es gibt viele Bands, die ich gerne sehen und hören möchte.

Also laufen wir an den diversen Ständen vorbei, schauen, begutachten, aber in Kaufstimmung bin ich trotzdem nicht. Es gibt zu viele Shops um von jedem zu berichten. Die Auswahl ist auf jeden Fall riesig.

Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen ein paar mehr Sachen zum Essen zu probieren. Deshalb habe ich 2, für mich unbekannte Eissorten gewählt. Unten grüner Apfel, oben Traube. Beides aus lokaler Produktion, und beides sehr gut. Das könnte ich zu Hause evt. auch versuchen zu machen.

Auch eine englische Pie mit Guiness-Stew. Es hätte zwar noch vegetarische und eine Curry Variante, aber bleiben wir doch traditionell. Die Pie ist klein, der Preis aber oho. Trotzdem, wirklich lecker. 

Gegen Abend, nach der Band “The Trouble Notes” mit Punk Folk Musik, muss ich entscheiden: Plantec oder Trobar de Morte, beide spielen praktisch gleichzeitig. Es bleibt mir nichts anderes übrig als die Zeit aufzuteilen und den Anfang von Plantec erleben mit elektronischem Balfolk. Nach der Hälfte der Zeit wechsle ich zu Trobar de Morte, eine Neo Medieval Folk Band. Die Musik von fast jeder Band gefällt mir gut, aber der Tag zieht sich, und der längste Tag steht noch bevor. Während des letzten Konzert auf meiner Wunschliste, fahre ich aber zum Campingplatz zurück. Leider zu spät um mit dem Auto reinzufahren, also bleibt es draussen stehen und ich laufe zu meinem “Geräteschuppen”.

Samstag 05.08.2023: Tag 3, der längste Tag

Der Samstag startet wie der Freitag: eine lange Schlange am Eingang, bis zurück auf den Parkplatz, viele Leute auf dem Festivalgelände. Wieder freue ich mich auf die Konzerte. Dabei fällt mir auch der Fell- und Lederhändler auf. Leider sind die Schaffelle schon ausverkauft. Ich erinnere mich, dass am Freitag der Betrag von 10€ gross angeschrieben war. So denke ich, dass jedes Fell 10€ war, und deshalb alles ausverkauft ist (Im nächsten Jahr wird sich herausstellen, dass die Felle eigentlich teurer sind, und 10€ der Rabatt auf Felle am Festival ist). Es gibt nur noch Leder in verschiedenen Grössen, Farben und Arten. Hauptsächlich Schafleder. Diese sind aber wirklich 10€ pro Stück. Da decke ich mich doch mit verschiedenen Teilen ein, um damit herumbasteln zu können.

Nach dem Mittag checke ich die Handwerker genauer ab, und unterhalte mich mit dem einen der mit Eisenpfanne und Holzfeuer kocht und backt. Nach einem längeren Gespräch, bietet er mir für Sonntag einen kurzen Lehrgang an, den ich mit Freude akzeptiere.

Während des ganzen Freitag und Samstag haben Menschen in einer langen Schlange während Stunden angestanden um dem Wickerman eine Opfergabe zu machen. Die Opfergabe muss etwas natürliches und brennbares sein, also kein Metall oder Plastik; die meisten haben von hand geschriebene Zettel oder Zeichnungen dabei.

Ich möchte nicht kritisch diesem Brauch gegenüber sein, vielmehr zum Ablauf: Die Schlange ist wirklich lang, und wer mal dran ist, darf sich dem Wickerman nähern. Das passiert auch ohne Hast und in der Regel einzeln. Fast alle knieen hin, haben ein paar Worte oder ein kleines Gebet übrig, legen ihre Opfergabe hinein, stehen auf und begeben sich zum Ausgang. Sobald die Person draussen ist, wird die nächste reingelassen. So kann es sein, dass die einen binnen 90 Sekunden, andere nach 3 Minuten fertig sind. Klar, es ist nicht viel Zeit, aber wenn 200 Menschen in der Schlange warten, und jeder braucht seine 2 Minuten, dann geht fast der ganze Tag drauf nur dafür. Also im Grunde genommen die gleiche holländische ineffizienz wie beim Einlass.

Am Abend versammeln sich fast alle Festivalbesucher am Forrest Stage und nehmen am zeremoniellen Wicker-Ritual teil. Zugegeben, es ist schon bewegend wie das Ganze abläuft, vor allem wenn man ein wenig in dieses Mindset eintaucht.
Nach etwa 20 Minuten wird der Wickerman angezündet. Alle Notizen mit den Ängsten, Traumas, Wünschen, seelischem Balast, die von den Besuchern hineingelegt wurden gehen in Rauch auf. Das Feuer macht daraus Energie für Neues. Einerseits herrscht eine beklemende Stille, andererseits fangen Menschen an zu jubeln weil der alte Zyklus zu Ende ist und ein neuer Zyklus beginnt.
Nachdem sich das Feuer gelegt hat, startet das zweitletzte Kozert an diesem Abend. Die Band Sowulo gibt alles.

So schön die Musik auch ist, es gibt leider nur Stehplätze. Nach diesem Konzert gibt es eine Stunde Wartezeit bis die letzte Band “Skáld” spielt. Für diese Band bleibe ich im Gastrobereich sitzen, höre dafür aber nicht viel. Da ich auch ziemlich kaputt bin, begebe ich mich nach 40 Minuten zum Ausgang. Vor dem Ausgang ist die Silent Disco im Gang. Natürlich mache ich mit und erhalte Kopfhörer wo auf verschiedenen Frequenzen unterschiedliche Musik läuft. Keine der Musik ist so wirklich was ich höre, und das Konzept von der Silent Disco ist schon seltsam, fast schon öde, oder schon langweilig? Also fahre ich wieder zum Campingplatz zurück, lasse das Auto wieder widerwillig draussen stehen, und gehe schlafen. 

Sonntag 06.08.2023: Tag 4, der letzte Tag

Sonntag in der Nacht reisst mich das Donnergrollen aus dem Schlaf; mein Holzschuppen wackelt. Bin ich froh, dass ich nicht im Zelt schlafe. Es stürmt und ich mache mir wenig Gedanken.
Am Morgen sehe ich das Ausmass. Ein paar Zelte auf dem Camping hat es zusammengelegt. Bei einigen Zelten hatte ich in den Tagen zuvor schon bemerkt, dass die nicht mit Zeltschnüren gesichert waren. Eine Unart, die ich in den Jahren zuvor schon in Frankreich, Schweden und in der Schweiz gesehen habe.

Wieder am Festival laufe ich wieder durch die Stände, und gönne mir ein Garlic Bread.

Leider ist mein Kochkurs abgesagt, denn der Sturm in der Nacht hat auch die Schauberufler schwer getroffen, die auf dem Festivalgelände in ihren traditionellen Zelten übernachtet haben. Viele  Zelte waren nicht sturmfest, und auch das Meadow Field, wo sie alle stehen, wurde regelrecht überschwemmt, so dass es gesperrt wurde. Sehr enttäuschend. Es bleiben also nur noch die Konzerte. Da ich jeden Stand schon mehrmals gesehen habe, ruhe ich mich aus und warte die Konzerte ab. Zum Glück gibt es 3 Bühnen, so dass zu jeder Zeit irgendwo eine Band spielt. Am meisten freue ich mich auf die zwei letzten Konzerte von Trolska Polska und Pat Razket.

So bleibt dann auch noch Zeit das Piratencamp der Black Powder Crew zu besuchen.

Die Vorfreude auf “Trolska Polska” wird ein bisschen gedämpft, da sie mit politischen Parolen um sich werfen. Natürlich ihr gutes Recht, aber persönlich finde ich, hat dies keinen Platz an so einer Veranstaltung. Das können die doch auf der Strasse machen. Also wechsle ich zum anderen Konzert von “Celtica”. Aber im Grunde genommen ist es doch nur ein Warten auf “Pat Razket”.
Dann endlich hat das Warten ein Ende. “Pat Razket” spielt, und es ist toll. Aber auch leider wieder nur Stehplätze, oder man sitzt unter dem Zelt im Gastrobereich und hört nicht mehr viel. Trotzdem machen die Piraten Stimmung. Ich höre immer zu, mal sitzend, mal stehend, aber es bleibt anstrengend.

Nach dem offiziellen Ende finden noch Konzerte von weiteren Bands statt, die aber eigentlich nur für die Castelefest Camping-Besucher gedacht sind. Kontrollieren kann dies aber scheinbar sowieso niemand. Aber ich habe nach 4 Tagen genug gesehen und fahre zurück zum Campingplatz. Die nächsten Tage werden auch anstrengend.

Spannende Camper und Ideen für Outfits

Montag 07.08.2023 und folgende Tage

Am Montag fahre ich frühzeitg und frisch ausgeschlafen los. Natürlich geht es nicht nach Hause. Dieses Jahr war ich noch zu wenig mit dem Auto unterwegs, und somit ist mein nächstes Ziel Malmö, um den guten schwedischen Tee zu kaufen. Die Route führt auf dem kürzesten Weg nach Deutschland um günstig Benzin zu tanken, dann weiter auf dem Landweg über Kolding nach Malmö. Ohne Kontrolle an der Grenze, komme ich kurz vor Ladenschluss in Malmö an; gerade noch Zeit um Poulet-Salat und grosszügige Crevetten-Canapés zu kaufen. Ein richtiges Festmahl. Die wirklich guten Sandwiches und Salate aus den schwedischen Supermärkten sind nicht zu vergleichen mit den grässlichen und pampigen Sandwiches und Salaten wie sie in den schweizer Läden zu finden sind. In der Schweiz bezahlen wir zwar gleich viel, aber die Qualität ist nur ein Bruchteil von der schwedischen. Wer es kennt, weiss was ich meine.
Der Dienstag fängt früh an und ich finde leider nur die hälfte der Tees die ich eigentlich kaufen will. Scheinbar ändert sich auch hier das Angebot mit der Zeit. Nach einem gemütlichen Shoppingtag, mache ich mich dann endlich auf den Heimweg. Kurz vor Kolding beginnt für mich auf einem Rastplatz die Nachtruhe. Dass die letzten Tage anstrengend waren merke ich, weil ich doch fast 6 Stunden im Kofferraum schlafe.
Der Mittwoch beginnt dementsprechend auch wieder früh, und die Fahrt ist eigentlich angenehm, ruhig, und zum Glück langweilig. Negativ ist lediglich der Stau um Hamburg. Es scheint als seien alle Autobahnabschnitte um/zu/nach/von Hamburg eine einzige Baustelle, schlimmer als die A1 zwischen Zürich und Lausanne; ein wahres Geduldspiel. Trotzdem komme ich gut voran und kurz vor 22:00 treffe ich endlich zu Hause ein.

Wenn man jetzt nicht gerade an die vergessenen Kleider denkt, kommt diese Reise sogar ohne Nachspiel oder negativen Rückblick aus. Planen wir also den nächsten Roadtrip.

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