Nach der absoluten Enttäuschung der Woche zuvor in Amnéville hoffe ich, dass die Belgier nun etwas besseres zu bieten haben.
Beim Datum scheinen sich die verschiedenen Posts doch nicht so einig zu sein: mal vom Freitag 21.06. bis Sonntag 23., mal bis Montag 24., dann nur Samstag und Sonntag…. aber was solls. Les Maraudeurs De Reves rufen zur Versammlung, das passt doch. Die Strecke nach Huy in Belgien ist doch relativ weit mit 650 km. Dafür habe ich doch ein Auto. Da ich das ganze Festival geniessen will, buche ich noch auf AirBnB eine Unterkunft. Gefunden habe ich Loft, praktisch zum gleichen Preis wie eine 1-Zimmer Unterkunft mit geteiltem Bad. Wenn das alleine nicht schon die Reise wert ist, weiss ich auch nicht.

Klar, für mich alleine viel zu gross, aber was solls zu dem Preis.
Freitag 21.06.2024: Anfahrt
Die Fahrt ist relativ mühsam am Tag wegen der vielen Lastwagen und dichten Verkehr auf den Autobahnen. Zum ersten Mal im Leben durchquere ich Luxembourg. Das Benzin hier ist wirklich sehr günstig, also rasch volltanken. Dann gehts weiter, aber die letzten 45 km sind Landstrassen. Das Städtchen Huy sieht ganz nett aus. Auf der einen Seite des Flusses ist eher die Altstadt, auf der anderen Seite moderne Häuser. Ich fahre zur Adresse des Lofts, was aber in einem Industriequartier ist, und nichts deutet darauf hin, dass es hier ein solches Loft gibt. Dann taucht der Schlüsselmeister auf. Das Loft ist in einem der Industriegebäude; die Besitzer haben die massive Höhe des Gebäudes genutzt und auf Stahlstützen eine Wohnung gebaut, welche einfach eingerichtet ist. Der installierte Schwedenofen darf sogar benutzt werden.Ich sehe zwar keinen Anlass dazu im Juni, aber schön dass es sowas gibt.
Nach dem Einzug fahre ich wieder los und erkunde die Gegend; mals zu Fuss, mal mit dem Auto.Im Nachmittag begebe ich mit zum Festivalgelände. Niemand kontrolliert wer Ein- und Ausgeht und es sieht gar nicht so aus als wäre irgendetwas bereit, Was für eine Enttäschung; die 2. innerhalb von 7 Tagen. Ich kaufe mein Abendessen in einem Laden und fahre ins Loft zurück. Während dem Essen friere ich und feuere skeptisch den Ofen an. Es dauert schon 15 Minuten, bis ich herausgefunden habe wie der Ofen funktioniert. Das Ding heizt ganz ordentlich und schon bald herrscht wohlige Wärme. Da fülle ich natürlich Pellets nach.
Samstag 22.06.2024: Offizieller Tag 1
Nach dem Frühstück ziehe ich los zum Piratenfestival. Auch hier ist der Eintritt frei, und es weckt sofort Erinnerungen an letzte Woche, hoffe aber dass Belgien doch anders ist. Das miese Wetter verwandelt die Wege um das Schlösschen zu einem Sumpf, aber da muss man wohl durch. Die Selektion an Ständen ist schon einiges besser als die Woche vorher. Vor allem handgefertigtes aus Holz, Leder und Stoff wird angeboten. Die Lederverarbeiter haben hier sehr schöne Stücke, und keins sieht aus wie das andere. Es stehen auch Kräuter- und Alkoholhändler da. Bei einem Verkäufer im Wald probiere ich seinen Hydromel, den er mir unter die Nase reibt. Er will etwas verkaufen und fragt wie ich seine Getränke finde. Ohne viel zu überlegen gebe ich eine ehrlich Antwort: “der Wein schmeckt wässerig”. Der Verkäufer was sichtlich not amused, aber was soll ich machen, Wasser mit einem Spritz Mead kann ich selbst herstellen. Beim weiteren Durchgehen entdecke ich wieder die Dame mit dem Heu. Schnell kommen wir ins Gespräch und so vergeht die Zeit.
Nach ingesamt 1 Stunde, sehr langsames laufen, und alles bewundern und anfassen, ist das Gelände aber auch erkundet. Ein paar Stände sind immer noch nicht aufgestellt. Ich versuche ruhig zu bleiben um die Zeit zu geniessen.
Am Nachmittag gibt es zwei Vogelschauen mit den Eulen und anderen Greifvögeln. Es ist zwar schön, aber auf sehr wenig Platz beschränkt. Die Vögel können gar nicht zeigen was sie können.
Wenn gerade keine Vogelschau ist, gibt es jede Stunde eine Aufführung, aber nichts bewegendes. Am Abend spielt dann tatsächlich eine Band. Es ist die Art Musik, wo alle mitsingen. Einige Lieder kommen mir bekannt vor, aber mit den Texten auf französisch statt englisch kann ich dann doch nichts anfangen.
Dann packt mich trotzdem der Hunger Das Essen ist leider völlig überteuert, und die Stapel an Crêpes und Waffeln, die auf Vorrat gebacken wurden, wirken nicht sonderlich einladend. Wer kennt das nicht, wenn man Crêpes macht und die stehen lässt; genau, die werden gummig, aber das sollten die Belgier doch fast am Besten wissen, trotzdem türmen sich die Haufen.
Ich lasse mich beim Griller verleiten einen hausgemachten Burger mit Kartoffeln zu bestellen. Schade dass es keine Pommes gibt, in Belgien! Ich finde ein trockenes Plätzchen um zu Essen, und es ist wie erwartet, sehr gut.
Als es dann dunkel ist, findet das Highlight statt. Eine Show mit Getanze und Feuer. Die Artisten geben sich Mühe und die Show ist ganz nett. Trotzdem kehre ich kurz vor Ende ins Loft zurück und mache es mir wieder vor dem Schwedenofen gemütlich. Vor dem Ofen sitzend, hinterfrage ich meine Entscheidungen hierher zu kommen, ein AirBnB buchen und so lange bleiben zu wollen. Ganz klar habe ich verzerrte Vorstellungen was “Festivals” sind und meine Erwartungen daran.
Sonntag 23.06.2024: Tag 2, Schluss und Heimfahrt
Endlich Sonntag. Wie auch gestern frühstücke ich und reinige die Wohnung, den Ofen, nehme vorsichtshalber den leeren Sack Pellets mit, nicht dass die noch in Rechnung gestellt wird. Ich lasse mir Zeit, denn bei diesem Festival verpasse ich nun gar nichts. Vor Mittag treffe ich wieder am Festival ein. Alles gleich wie gestern, Stände, Verkäufer, arme Vögel, die auf ihren Einsatz warten und sich geduldig fotografieren lassen.
Die Piraten organisieren Spiele für die Kinder und ich laufe durch Piraten und Viking Gemeinden durch. Um den Hydromel-Verkäufer von gestern, der mir wässriger Mead anbieten wollte, machen ich geschickt einen Bogen. Aus einem Anhänger hinaus, verkauft Yannis mit seinem auffälligen Schnäuzer belgischen Moonshine. Es ist zwar auf unter 20% vol. gemischt, aber er erklärt mir, dass dies mit den Steuern in Belgien zu tun hat. Trotzdem kaufe ich verschiedene Geschmäcker bis ich die Freimenge für die Schweiz erreiche.
Auf der Bühne gibt es wieder leichte Musik. Zum Glück scheint heute die Sonne, was aber nichts daran änder,t dass ich schon alles 10 Mal gesehen habe. Da auch hier kein Eintritt verlangt wird, kann auch nichts geboten werden. Also verabschiede ich mit von der Heu-Dame und kehre zu meinem Auto zurück.
Wieder gehts über die Landstrasse bis zur Autobahn. In Luxembourg wird wieder vollgetankt. Die Fahrt verläuft auch hier unspektakulär
Ich setze mir zwei Notizen in den Kopf, die ich hoffentlich nicht so schnell vergessen werde:
- Auf Französisch sind “Festivals” etwas anderes als auf Deutsch
- Ohne Eintritt wird nichts geboten, und jeder latscht durch den Event
Also bitte keine solche Roadtrips mehr. Der Schwedenofen hat zum Glück alles gerettet. Wäre ich mit dem Zelt verreicht, würde ich genau jetzt in meinem Garten sitzen, und nicht irgendwo auf der Autobahn.









