Elfia Haarzuilens?
Dies ist die Frage, die ich mir stelle: Lohnt sich das wirklich, nach Holland zu fahren um eins der grössten Fantasy-Festivals zu besuchen? Im August werde ich sowieso ans Castelfest gehen. Es soll aber toll sein, und im Herbst gibt es dann Elfia Arcen.
Na gut, planen wir mal. Reiseziel: Utrecht.
Mitnehmen: Zelt, Schlafsack, und was es sonst noch braucht für 3 Tage.
Noch rasch die EU-SIM-Karte der SWISS Airline aufladen, so sind wir bereit.
21.04.2023 – Anreise
Freitag, kurz nach Mitternacht fahre ich los. Nach 3 Stunden fahrt brauche aber auch ich eine Pause und so schlafe ich eher ungemütlich im Auto bis 7 Uhr.
Obwohl ich nach der Grenze mein Handy auf die EU-SIM umgestellt habe und doch schon 7 Stunden vergangen sind, kann sich die SIM-Karte immer noch nicht verbinden, obwohl ich doch 25.- CHF draufgeladen hatte.
Offline!
So kommts wie es kommen muss, dass ich die falsche Autobahn nehme und 50km für nichts abspule.
Das heisst, nun erstmals einen McDonalds ansteuern um mit dem gratis WLAN die korrekte Route zu finden. Gesucht – Gefunden. Da merke ich mir doch gleich die wichtigsten Wegpunkte.
Zum Glück weiss niemand, wie peinlich mir diese Situation ist; das kommt eben von zu wenig Planung.
Da Deutschland ja keine Wüste ist, finde ich weiter auf der Fahrt irgendwie einen Supermarkt um mir ein ausgewogenes Früstück zu gönnen: Wasser mit Geschmack und Blubbers, ein wenig Brot und einen kleinen (Algen)Salat.
Neue SIM-Karte
Mitten im Nachmittag erreiche ich dann doch noch Utrecht. Das sieht aus wie Amsterdam mit den Grachten. Ich schlendere in dem Städchen umher, wo an jeder freien Stelle am Gehweg Velos stehen, und teilweise auch kein durchkommen ist. So sieht also die Politik aus, wenn Velos gefördert werden sollten; ich hoffe aber nicht mit diesem Chaos in der Schweiz. Mein Interesse zur Zeit gilt, neben dem nicht-überfahren werden von rücksichtslosen Velofahrern, das Auffinden eines Mobile-Shops. Im Zentrum finde ich auch mein Glück. Der unfreundliche Chef aktiviert dann auch noch wortlos die neue SIM-Karte auf dem Telefon. Ich bedanke und freue mich wieder online zu sein. Es ist fast beschämend in solcher Abhängigkeit zu leben.
Kein Camping – Hotel
Mit dem neuen Internet, fahre ich wieder raus aus der Stadt und suche mir eine Campingplatz. Irgenwie finde ich keinen Richtigen, sondern nur ein paar ganz kleine. Da fahre ich doch vor und sichere mir einen Platz fürs Zelt, obwohl es immer noch ziemlich kühl ist Ende März. Der erste Mini-Camping scheint geschlossen zu sein, obschon er offen sein sollte, und beim Zweiten ist die Rezeption nicht besetzt, und zum Verweilen sieht es auch nicht aus. So fahre ich verärgert in die Stadt zurück. Das günstigste Hotel das ich finde ist ein Bunk Hotel in einer alten Kirche. So frage ich nach einem Pod und die Dame meint, es sei alles ausgebucht. Wäre ich doch zu Hause geblieben…
So schaue ich im Internet, und siehe da, die eigene Webseite vom Hotel weist noch freie Plätze aus. Gut, dann buche ich 2 Nächte ohne Frühstück und betrete wieder die alte Kirche um elektronisch einzuchecken. Die doofe Kuh von vorhin kommt angerannt um nachzuschauen was ich treibe. Ich erkläre ihr, ich hätte gebucht und würde nun einchecken. Ein wenig erstaunt zieht sie wieder ab. Das Einchecken ist nur elektronisch möglich.
Für relativ wenig Geld gibt es verschiedene Zimmer mit mehreren Pods, und dazu für jeden einen abschliessbaren Schrank und gratis WIFI. Es sieht alles schön aus. Auch mein Pod sieht sauber und gemütlich aus. Zu erreichen ist er mit der Leiter. Im Pod drin hat es Steckdosen, Lampe, und Platz für den Rucksack. Für das Geld ist das wirklich ok.
Der Restaurantbetrieb im Hotel ist voll, macht mich aber auch nicht an, da die Preise schon happig sind und es gibt nichts preiswertes für den kleinen Hunger.
Mit Hunger gehe ich ins Bett, da es ein langer Tag war, und morgen nicht kürzer wird.
Erster und zweiter Festival-Tag
Früh stehe ich auf, da ich mir um den horrend teuren und zeitlich begrenzten Parkplatz sorgen mache. Das gemeinsame Bad mit WC- und Duschkabinen bringt leider die schlechte Luft vom WC nicht weg. Um 07:30 bin ich einer der ersten in der Dusche. Also rasch fertig machen und raus hier.
Bevor ich zum Festivalgelände fahre, kaufe ich mir noch Frühstück. Irgendwas will ich ja auch noch essen.
Der Parkplatz beim Festival ist auf einer grünen Wiese und sieht dann auch dementsprechend aus, weil der Untergrund immer noch sehr nass ist vom nächtlichen Regen. Na gut, ich habe 4×4, da kanns mir egal sein.
Das Kasteel de Haar sieht ganz schick aus mit dem Wassergraben und den schönen Mauern; keine Ruine wie teilweise in Frankreich.
Am Festivaleingang läufts ein wenig chaotisch ab, da einige Besucher nicht lesen können wollen und in der falschen Schlange anstehen. Mein VIP Ticket erlaubt mir das Abholen von 2 kostenlosen Tontassen, die ich gerne mitnehme.
Drinnen laufe ich erstmal die Stände ab bevor unzählige Menschen herumwuseln. Die Stände mit Essen wirken einladend. Natürlich gibt es Poffertjes, fritierte Kartoffeln und Blumenkohl und Zwiebelringen, Kaminbrot (das schrecklich süsse Zeugs mit Zimt), aber auch spiralisierte Kartoffeln und Kleinbrote. Der Brotstand hat auch ganze wohlriechende frische Brote, was mir aber so auf der Reise leider nicht praktisch erscheint. Auch ist der Mad Hatter anwesend der geschmorte Champignons und fritierte Kartoffeln verkauft; den habe ich auf dem MPS schon gesehen.
So erkunde ich nun langsam das Gelände. und mache zusätzlich ein paar tolle Fotos von dem schönen Schloss.
Der Schlosspark ist riesig, und die Stände reihen sich fast endlos aneinander. Es gibt immer wieder Verpflegungsstände, und wie es sich gehört bei solchen Festivals, Stände mit Kleidung, Fellen, handgemachtem Schmuck und Masken.
Persönlich finde ich die postapokalyptische Ecke am Besten; das erinnert mich an Mad Max. “Mad Max Beyond Thunderdome” hatte ich im Sommer’85 im Kino gesehen, das hat mich sichtlich geprägt.
Das Camp ist etwa so aufgestellt, wie man sich das vorstellt. Natürlich mache nicht genug Fotos, aber es ist cool. Leider sitzen die Protagonisten in ihren Zelten und sind nicht sehr gesellig; oder es ist zu früh am Tag, oder sie sprechen nur holländisch, was weiss ich.
Ich treffe doch noch einen Endzeit-Überlebenden. Er sei “nicht ein Elf” (wegen “Elfia”), und kommt nicht aus seiner Rolle hinaus; ein halbwegs normales Gespräch ist leider nicht möglich.
Von Zeit zu Zeit gönne ich mir etwas zu essen; mal hier, mal da. Ein Kleinbrot, eine spiralisierte Kartoffel, geschmorte Champignons, Wedges, Hamburger, etc. Alles sehr lekker.
Wo ich gerade am Stehtisch am Essen bin, gesellt sich eine süsse Prinzessin an den Tisch und wir essen zusammen. Da fängt es tatsächlich an leicht zu regnen. Die Prinzessin zückt ihren Schirm und fragt ob ich auch drunter kommen will. Das Angebot schlage ich nicht aus und halte ihren Schirm, damit sie in Ruhe essen kann. Meine frittierten Kartoffeln schaffe ich auch einhändig. Wir sprechen nicht und geniessen einfach mal einen kurzen Moment der Ruhe von dem ganzen Trubel. Als wir fertig sind, entsorge ich unsere Plastikteller und dann entschuldigt sie sich, weil sie wieder zurück zu ihren Freundinnen muss. Schade, ein wenig hätte ich gerne mit ihr gesprochen.
Auf der Hauptbühne spielen immer wieder Bands ihre Musik. Leider habe ich es verpasst ein Programm zu sichern (Nachtrag: Ich hatte zwar ein Programm und Karte runtergeladen, aber am Ende hat das Mobiltelefon diese verschluckt).
Ein Highlight ist eine Band, die grosse japanische Trommeln spielt.
Menschen tanzen, ob Regen oder Sonne.
Im Grossen und Ganzen ist die Musik durchmischt; mal Irisch angehaucht, mal Rockig, mal Spirituell.
Während dem letzten Konzert am ersten Tag streicht mir dann noch ein elegant gekleidete junge Frau zärtlich übers Gesicht. Sichtlich überrascht schaue ich sie an. Sie lächelt und geht weiter. Ich lächle zurück und hoffe, dass ihr Freund der vor ihr läuft, nichts bemerkt hat.
Nach dem letzten Konzert brennen Lagerfeuer bei den verschiedenen Gruppen. Die Post-Apokalypten sind wieder eher unter sich, die im Mittelalter sind am anderen Ende des Geländes, also bleibt nur das Piratencamp. Da sitzen Piraten, Ritter, Zivilisten und andere Menschen gemütlich ums Feuer und singen Piratenlieder. Leider kenne ich kein Lied auf holländisch. Also beschliesse ich zu gehen.
Auf dem Parkplatz auf der Wiese schlafe ich bis 1 Uhr morgens im Auto um die Parkgebühren in der Innenstadt zu sparen. Danach fahre ich ins Bunk-Hotel. In der Nacht ist der Pod dann aber nicht mehr so angenehm. Man hört praktisch alle Geräusche von den anderen Männern. Die einen furzen, andere schnarchen, und ein anderer hat scheinbar ein Alkoholflash und wimmert vor Schmerzen und rülpst immer wieder. Meine Hoffnung ist, dass der nicht das Zimmer vollkotzt.
Der zweite Festival-Tag spielt sich eigentlich genau gleich ab. Wirklich neues sehe ich nicht mehr, und ich schaue einfach alles nochmals an. Diesmal treffe ich aber keine Prinzessin, dafür kaufe ich mir ein ganzes Brot für zu Hause.
Am Nachmittag fängt es wieder an zu regnen. Um 18:00 ist dann aber auch Schluss. Das Festival geht zu Ende. Ein wenig erleichtert bin ich dann schon. Die Abfahrt vom Parkplatz gleicht einer Schlammschlacht. Viele brauchen Hilfe von Anschiebern, oder sogar vom Traktor, um aus der durchnässten Wiese zu kommen.
Bevor es auf die Autobahn nach Hause geht, steuere ich ein Waschanlage an um mein Auto vom Schlamm zu befreien.
Rückblick und Schreckmoment
Obwohl es mein Wunsch war, dieses Festival zu besuchen, werde ich dieses nicht mehr Tage machen. Auch Elfia Arcen im Herbst werde ich sausen lassen. Es war ok, aber irgendwie ist es sehr ähnlich wie das Castlefest, das aber 3-4 Tage geht und doch mehr von allem bietet.
Ausserdem hatte ich im Hotel das gratis WIFI benutzt, und mindestens eine App muss das Passwort schlecht verschlüsselt gesendet haben. Das Resultat war, dass mein Instagram Account gehackt wurde. Zum Glück habe ich das rasch bemerkt und konnte das Passwort zurücksetzen. Und da mein Konto gleichzeitig auch gesperrt wurde, musste ich zuerst ca. 2000 Accounts entfolgen, bevor ich es wieder von Instagram freischalten lassen konnte. Seitdem gibts nur noch Ferien mit VPN; auch ich bin lernfähig…
Das Rätsel der SWISS Airline SIM-Karte konnte ich auch noch lösen. Scheinbar, gibt es diesen Dienst, so wie ich ihn hatte, seit mehreren Jahren nicht mehr. Leider wurde dies nie kommuniziert und ich konnte mich immer noch anmelden auf der Webseite. Leider sind die ganzen 35.- Guthaben futsch. Der neue Mobile-Dienst von SWISS werde ich sicher nicht mehr nutzen.




















